Leserbrief: Unverständliche Nein-Parole des Bio Suisse-Vorstandes zur Trinkwasserinitiative

Ziel der Trinkwasserinitiative (TWI) ist es, die landwirtschaftlichen Subventionen in eine umwelt- und trinkwassergerechte Landwirtschaft umzulenken. Die TWI unterstützt ökologische Betriebe durch die Neuausrichtung der landwirtschaftlichen Forschung, Beratung und Ausbildung sowie der Investitions­hilfen. Ökologische Lebensmittelproduktion verstehen wir auch als Kernanliegen von Bio Suisse. Für die Interessengemeinschaft «4aqua» ist daher nicht nachvollziehbar, warum ein Zielkonflikt mit der Trinkwasserinitiative bestehen soll.

Die Bedenken des Bio Suisse-Vorstands sind aus Sicht von 4aqua unbegründet: Mit der Initiative wird es weiterhin möglich sein, Futtermittel regional zu verkaufen und zuzukaufen sowie in Betriebsgemeinschaften Futter und Dünger auszutauschen. Das zeigt ein juristisches Gutachten zum Initiativtext, das aus unseren Kreisen in Auftrag gegeben worden ist. Das Gutachten zeigt auch, dass nach Annahme der Initiative die im Biolandbau üblichen Pflanzenschutzmittel weiter eingesetzt werden können. Zudem erhalten die Landwirtschaftsbetriebe gemäss Initiativtext acht Jahre Zeit für die entsprechenden Anpassungen und können dabei durch Investitionshilfen vom Bund unterstützt werden.

Es mag durchaus sein, dass von den Regelungen der TWI einzelne Biobetriebe betroffen sein könnten, die das Prinzip geschlossener Nährstoffkreisläufe nicht mehr beachten und damit Umwelt- und Gewässerprobleme verursachen. Statt die Trinkwasserinitiative abzulehnen, würden wir vom Bio Suisse-Vorstand erwarten, dass er diese Probleme innerhalb des Biolandbaus proaktiv angeht und die TWI deshalb nicht als Bedrohung, sondern als Chance und wichtige Unterstützung für die zukunftsgerechte Weiterentwicklung des Biolandbaus und der Schweizer Landwirtschaft sieht.

Aus Sicht von 4aqua setzt der Bio Suisse-Vorstand mit seiner Empfehlung die Qualität unseres Trinkwassers aufs Spiel. 4aqua hofft, dass die Biobauern an der nächsten Delegierten-Versammlung der Bio Suisse den Entscheid des Vorstandes korrigieren und mit Überzeugung die Ja-Parole beschliessen.

Jürg Meyer, Mitglied des Kernteams 4aqua

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